Bericht des Umweltbundesamtes zur Bilanzierung der Netto-Treibhausgasvermeidung durch erneuerbare Energieträger

Das Umweltbundesamt erstellt seit 2007 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) die Emissionsbilanzierung erneuerbarer Energieträger für die Energiesektoren Strom, Wärme und Verkehr. Mit dem Wechsel der Zuständigkeiten für den Bereich der erneuerbaren Energien zum Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) erfolgt die Emissionsbilanzierung im Rahmen der Arbeiten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien–Statistik (AGEE-Stat) seit Dezember 2013 im Auftrag des BMWi. Die Emissionsbilanz dient dazu, die Umweltwirkungen der Nutzung erneuerbarer Energien abzuschätzen und die für nationale sowie EU-Berichtspflichten erforderlichen Daten zur Netto-Vermeidung an Treibhausgasemissionen zu ermitteln.

In den letzten Jahren wurde die Emissionsbilanz kontinuierlich weiterentwickelt und auf eine solide Basis gestellt. In einem regelmäßig aktualisierten Hauptbericht werden die methodischen Ansätze und herangezogenen Datenquellen sowie die detaillierten Ergebnisse der Netto-Emissionsbilanz der einzelnen erneuerbaren Energieträger differenziert nach den Erzeugungssektoren Strom, Wärme und Verkehr für das jeweilige Jahr dargelegt. Bei der Bilanzierung werden sowohl die indirekten Emissionen (aus den vorgelagerten Prozessketten zur Gewinnung und Bereitstellung der Energieträger sowie der Herstellung der Anlagen) berücksichtigt als auch die direkten Emissionen, die durch den Betrieb der Energiewandlungsanlagen entstehen. In der Netto-Bilanz werden dann die Emissionen gegenübergestellt, die einerseits durch die Nutzung der erneuerbaren Energien verursacht und andererseits durch die Substitution fossiler Primärenergieträger vermiedenen werden. Die Ergebnisse werden für relevante Treibhausgase und Luftschadstoffe separat sowie auch zusammengefasst als CO2- und SO2-Äquivalente ausgewiesen.

Die aktuelle Version des Hauptberichts ist abzurufen unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/emissionsbilanz-erneuerbarer-energietraeger.

Die aggregierten Ergebnisse der unterjährigen Aktualisierungen können den aktuellen „Zeitreihen zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland“ bzw. den zugehörigen Grafiken entnommen werden.

Im Ergebnis der Emissionsbilanz zeigt sich, dass der Ausbau erneuerbarer Energien wesentlich zur Erreichung der Klimaschutzziele in Deutschland beiträgt. Bei Strom und Wärme wird das Ergebnis maßgeblich dadurch beeinflusst, welche fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Im Stromsektor spielen dabei die Wechselwirkungen der fluktuierenden Einspeisung mit dem Stromaußenhandel eine zunehmende Rolle (vgl. Klobasa/Sensfuß 2016). Im Wärmesektor wird die unterschiedliche Effizienz von erneuerbaren und konventionellen Heizungsanlagen berücksichtigt. Bei biogenen Energieträgern sind des Weiteren die Art und die Herkunft der verwendeten Rohstoffe ausschlaggebend (vgl. Fehrenbach et al. 2016). Landnutzungsänderungen durch den landwirtschaftlichen Anbau von Energiepflanzen können die Bilanzergebnisse entscheidend beeinflussen. Aufgrund fehlender methodischer Grundlagen werden indirekte Verdrängungseffekte jedoch bisher in der Bilanz nicht berücksichtigt.

Weiterer Forschungsbedarf besteht auch in Hinblick auf die Emissionsfaktoren der erneuerbaren Energiebereitstellungsketten. So müssen die ökobilanziellen Datensätze regelmäßig an die technische Entwicklung des Anlagenbestandes angepasst werden. Ebenso sind weitere empirische Erhebungen zum Emissionsverhalten unter realen Betriebsbedingungen notwendig. Um diesen Forschungsbedarf und methodische Weiterentwicklungen auf Fachebene zu diskutieren und abzustimmen, führt das Umweltbundesamt zusammen mit der AGEE-Stat regelmäßig Workshops durch (u. a. in den Jahren 2011 und 2013).