Berufsgruppen

Mit Blick auf die unterschiedlichen Arbeitsschritte bestehen für die einzelnen Berufsgruppen diverse Beschäftigungsoptionen in der Offshore-Windindustrie.

Besprechung auf Forschungsplattform FINO 1
© BMWi/Holger Vonderlind
Berufsgruppen

Industrie: WEA- und Komponentenentwicklung

Bei Offshore-Windenergieanlagen (OffWEA) liegt eine zentrale technologische Herausforderung in der Entwicklung von Komponenten und Anlagen, die für einen langfristigen Einsatz unter den widrigen Verhältnissen auf See geeignet sind (Salzgehalt, Wellengang, Windgeschwindigkeit, hohe dynamische Lasten etc.). Dazu ist spezifisches Know-how von Spezialisten aus unterschiedlichsten Berufsfeldern erforderlich.

In die Entwicklung und Konstruktion von OffWEA sowie deren Komponenten sind im Allgemeinen Ingenieure aus verschiedenen Bereichen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Oberflächentechnik und Werkstoffkunde, Luft- und Raumfahrt / Aerodynamik) involviert. Auf der Fertigungsebene kommen Fachkräfte aus verschiedenen Berufszweigen hinzu. Dazu gehören u.a. Facharbeiter aus den Bereichen Metallbau, Elektro- und Oberflächentechnik sowie Mechatroniker. Des Weiteren können speziell im Hinblick auf die Konstruktion der Fundamente von OffWEA Bauingenieure und Statiker in den Konstruktions- und Fertigungsprozess eingebunden sein.

Dienstleister: Anlagen- / Windpark-Planung

Die im Rahmen der Planung von OffWEA durchzuführenden Untersuchungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung werden i.d.R. von Biologen oder Meeresbiologen vorgenommen. Die Erfassung und Auswertung von Daten zur Windklimatologie erfolgt typischerweise durch Meteorologen. Die genehmigungsrechtliche Planung des Offshore-Vorhabens stellt eine weitere zentrale und komplexe Projektphase dar, in der u.a. Juristen, Raumplaner oder Geographen tätig werden. In Abstimmung auf die Ergebnisse der Begleituntersuchungen und der rechtlichen Planung erfolgt die technische Projektplanung. Dabei wird u.a. die Windparkkonfiguration festgelegt, d.h. Details zur Anlagenzahl, Leistung und Standort der Anlagen sowie zur Fundamentierung. Diese Planungsphase kann von Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen übernommen werden. Von großer Bedeutung für den Erfolg des Projektes ist nicht zuletzt eine Analyse des Vorhabens in Bezug auf seine Wirtschaftlichkeit. Diese Projektphase ist ein originäres Aufgabenfeld für Wirtschaftsingenieure, Betriebswirtschaftler oder Kaufleute.

Errichtung des Offshore-Parks

Insbesondere die Errichtungsphase von Offshore-Windparks weist aufgrund des maritimen Rahmens große Unterschiede zu der Errichtung von WEA an Onshore-Standorten auf, wobei das Spektrum der eingebundenen Berufsgruppen relativ breit ist. Für die Kontrolle und Organisation der verschiedenen Errichtungsphasen können vor allem, jedoch nicht ausschließlich Ingenieure verschiedener Fachrichtungen als Offshore-Projektmanager zuständig sein. Neben Fähigkeiten, die den Anlagenaufbau betreffen, müssen die zuständigen Ingenieure auch über Know-how in Bezug auf die Fundamentierung, die Anlagenverkabelung und den Netzanschluss verfügen. Des Weiteren sind bei der Anlagenerrichtung auch Facharbeiter aus dem Metallbau- und Elektrobereich involviert. Die Mitarbeiter müssen jedoch spezielle Offshore-Sicherheitstrainings absolviert haben, um den Anforderungen auf See gewachsen zu sein. Diese Schulungen ebenso wie entsprechende Sicherheits- und Umweltvorkehrungen auf der Baustelle werden von Experten für Arbeits- und Umweltschutz (sog. Bereich "Health, Safety and Environment") organisiert und überwacht. Von zentraler Bedeutung für die Anlagenerrichtung sind die Schiffs- und Maschinenführer. Sie sind für die Bedienung der jeweiligen Spezialschiffe und Errichtungs-Infrastrukturen zuständig. Berufstaucher und Industriekletterer werden im Rahmen der Errichtungsarbeiten und zur Qualitätskontrolle unterhalb bzw. oberhalb der Wasseroberfläche eingesetzt. Außerdem sind im Rahmen der Errichtung von Offshore-Windparks Sicherheits- und Havarierdienstleister tätig.

Service, Wartung und Betrieb

Die Basis für den reibungslosen und wartungsarmen Betrieb von Offshore-Windparks ist eine vorausschauende Betriebsführung. Mit Hilfe sog. Condition-Monitoring-Systeme überwachen entsprechend geschulte Mitarbeiter den Anlagenbetrieb. Im Rahmen der regelmäßig sowie im Fehlerfall zusätzlich durchzuführenden Service- und Wartungsarbeiten kommen vor Ort ähnliche Berufsgruppen zum Einsatz wie bei der Anlagenerrichtung. Die Durchführung der Servicearbeiten wird z.B. von Fachkräften aus der Metall- und Elektrobranche vorgenommen. Zudem werden je nach Umfang der durchzuführenden Arbeiten Service- und Wartungsschiffe oder weitere Offshore-Spezialschiffe mit dem entsprechenden Personal hinzugezogen. Ebenfalls gefragt sind zudem wiederum Industriekletterer, Berufstaucher sowie Sicherheits- und Havarierdienste.