Fachkräftebedarf & Ausbildungswege

Der steigende Bedarf an Fachkräften führt auch zu einer erhöhten Nachfrage an entsprechenden Ausbildungsangeboten, die gezielt auf die Arbeit in der Offshore-Windindustrie vorbereiten. Neben der Erstausbildung im Rahmen eines Studiums oder der betrieblichen Ausbildung haben derzeit insbesondere Weiterbildungsangebote eine hohe Bedeutung im Offshore-Sektor.

Lackierarbeiten
© BMWi/Maria Parussel
Fachkräftebedarf- und Ausbildungswege

Zu beachten ist, dass viele der spezifischen Anforderungen an Personal und Qualifikation gegenwärtig erst entwickelt werden. Dementsprechend gibt es bislang nur vereinzelte Qualifizierungsangebote mit einem speziellen Zuschnitt auf den Bereich Offshore-Windenergie. Dabei steht der Nachfrage nach individuellen Lösungen mit Interdisziplinarität und den hohen Anforderungen auch an Forschung und Entwicklung die Forderung nach Standardisierung der Ausbildung und damit einer stärkeren Vereinheitlichung und besseren Vergleichbarkeit der Angebote gegenüber.

Im Rahmen des Projektes "Plattform Zukunftsberufe Offshore Wind" hat die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE und der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Hamburg (BWVI) einen Überblick über die Grundstrukturen derzeitiger und zukünftiger Qualifikations- und Qualifizierungsbedarfe sowie über Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich Offshore/Wind in Norddeutschland erarbeitet. Demnach weist die Offshore-Windbranche derzeit noch ein relativ niedriges Engagement bei der beruflichen Erstausbildung auf. Für die Weiterentwicklung der Berufsausbildung regt die Studie daher kurzfristig ein stärkeres gemeinsames Engagement von Branchenverbänden, Kammern und Politik an. Zur Stärkung der Erstausbildung in den Betrieben ist demnach vor allem die Verbundausbildung mit ausbildungserfahrenen Unternehmen geeignet.

Mittelfristig wird zudem der Aufbau einer standardisierten Ausbildung empfohlen, sei es durch Aus- und Weiterbildungskonzepte oder duale Studienmodelle. Diese Entwicklung soll langfristig zur bundeseinheitlichen Regelung von Offshore-Berufsfeldern führen. Daneben empfiehlt die Studie verstärkt auf Quereinsteiger aus dem maritimen Bereich zu setzen und anerkannte Standards für die Sicherheitstrainings zu entwickeln. Auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Hochschulen auf der Forschungsebene ist demnach geeignet, die Fachkräfteausbildung zu stärken.

Aus- und Weiterbildung

Ausbildungsangebote für Offshore-Fachkräfte

Das Arbeitsumfeld der Offshore-Windenergie ist sehr vielfältig. Es erstreckt sich von Berufen im Bereich der Entwicklung und Produktion von WEA-Technik und Komponenten über die Planung, Projektierung und Errichtung bis zum Betrieb von Offshore-Windparks (OWP) sowie Service- und Reparaturdienstleistungen. Im Zuge der Planung, Errichtung und des Betriebs von Offshore-Windparks sind daher Fähigkeiten aus verschiedenen Bereichen gefragt. Da es sich bei der Branche um einen noch jungen Industriezweig handelt, stammen die Beschäftigten vielfach aus windenergie- bzw. offshorefremden Berufen. Parallel mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie steigt aber der Bedarf an Fachkräften mit (maritimer) Praxiserfahrung sowie offshore-spezifischen Ausbildungsmöglichkeiten in der Industrie und an den Hochschulen.

Berufsausbildung in der Industrie

Derzeit überwiegt in der Industrie der klassische Ausbildungs-Ansatz. Auszubildende absolvieren i.d.R. zunächst eine Standardausbildung ohne Schwerpunktbezug zum Thema (Offshore)-Windenergie (z.B. Schweißer, Schlosser, Mechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, Elektriker etc.). Die Spezialisierung auf die (Offshore)-Windenergie erfolgt dann meistens später im Rahmen von Weiterbildungen. Deutschlandweit gibt es inzwischen diverse Fortbildungsmöglichkeiten mit Windenergie-Fokus, davon auch bereits einzelne speziell für den Bereich Offshore-Windenergie. Fortbildungen sind zentral über die Internetplattform der Bundesagentur für Arbeit, KURSNET, abrufbar.

Studium

Studiengänge in den klassischen Studienfächern wie Ingenieurwissenschaften (Elektrotechnik, Maschinenbau) oder Naturwissenschaften werden von den Hochschulen zum Teil bereits mit windspezifischen Inhalten angeboten. Das Angebot an eigenständigen Studiengängen im Bereich (Offshore-)Windenergie ist dagegen bisher vergleichsweise klein.

Auf internationaler Ebene gibt es z.B. an der dänischen Forschungseinrichtung Risø DTU einen speziellen Windenergie-Masterstudiengang. In Deutschland wird seit dem Jahr 2008 an der Hochschule Bremerhaven den Masterstudiengang „Windenergietechnik“ angeboten. Die Fachhochschule Kiel und die Fachhochschule Flensburg haben seit dem Wintersemester 2008/2009 den Masterstudiengang "Wind Engineering" in ihrem Portfolio. Zudem bietet die Universität Oldenburg bereits seit mehreren Jahren ein weiterbildendes Studium Windenergietechnik und -management an. Speziell für den Bereich Offshore-Windenergie bietet die Universität Oldenburg ab dem Wintersemester 2012 unter dem Titel „Offshore-Windstudium“ das nach Universitätsangaben weltweit erste weiterbildende Studienprogramm speziell für den Offshore-Sektor an.

Weiterbildungsangebote im Bereich (Offshore-)Windenergie

Da es sich bei der Offshore-Windenergie um einen noch neuen Technologiebereich handelt, gibt es zwar schon erste spezifische Qualifizierungsangebote, jedoch noch keine einheitlichen Aus- und Weiterbildungsprogramme. Um hier den Bedarf und das aktuelle Angebot zu erheben und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, haben der Nationale Masterplan Maritime Technologien (NMMT) und der Ständige Arbeitskreis "Vernetzung der maritimen Wirtschaft mit der Offshore-Windenergiebranche" (AK Vernetzung) als branchenübergreifende, von der Bundesregierung unterstützte und von Unternehmen und Verbänden getragene Initiativen einen Schwerpunkt auf das Thema Aus- und Weiterbildung gelegt.

Weiterbildungsmöglichkeiten im Windenergiesektor gibt es momentan insbesondere in den Bereichen der Anlagen- und Komponentenfertigung, der Errichtung sowie der Wartung. Zum Angebot gehören z.B. Weiterbildungen zum Servicemonteur oder Servicetechniker, Aufbautechniker, Klebpraktiker bzw. zur Klebfachkraft, zur Fachkraft für die Wartung und Reparatur von Rotorblättern, zur Schweißfachkraft etc.

Speziell für die Bereiche Errichtung, Service und Wartung gilt für den Offshore-Bereich, dass die Beschäftigten für die oftmals rauen Arbeitsbedingungen auf See geschult werden müssen und dazu entsprechende Offshore-Sicherheitstrainings absolvieren. Daher kann die Weiterbildung von Fachkräften aus maritimen bzw. nautischen Berufen, wie bspw. Schiffsmechaniker, ein Ansatz zur Akquirierung von entsprechend ausgebildetem Personal sein. Besondere Sicherheits- und Umweltvorkehrungen sowie -trainings für die Arbeit auf hoher See werden innerhalb der Unternehmen von speziellen Abteilungen für Arbeits- und Umweltschutz organisiert und vor Ort auf der Baustelle sichergestellt. Fachkräfte in diesen Bereichen werden daher ebenfalls gesucht.

Bedarf an Fachkräften

Der angestrebte Zubau von Offshore-Windenergieanlagen in der deutschen Nord- und Ostsee sorgt für einen steigenden Bedarf an ausgebildeten Fachkräften, die die notwendigen Arbeiten bei der Planung, Errichtung und dem Betrieb der Anlagen übernehmen können. Ende 2013 entfielen nach ersten Angaben des Bundesumweltministeriums von den insgesamt rd. 138.000 Beschäftigten des Windenergiesektors in Deutschland bereits rd. 19.000 Arbeitsplätze auf die Offshore-Windenergie. Es wird erwartet, dass diese Zahl weiter steigen wird.

Der Fachkräftebedarf beschränkt sich dabei nicht nur auf den deutschen Markt, sondern betrifft ebenso andere große Offshore-Märkte wie Großbritannien und Dänemark. Viele Unternehmen der Offshore-Branche sind ohnehin international tätig. Daher wird der Ausbau der Offshore-Windenergie auf nationaler wie internationaler Ebene den Bedarf an Fachkräften weiter erhöhen.

Ingenieure und Metallfacharbeiter gesucht

Auch wenn derzeit keine branchenspezifischen statistischen Daten vorliegen, lässt sich sagen, dass aktuell in der Offshorebranche vor allem Ingenieure gefragt sind, aber auch Facharbeiter aus dem Bereich Metallbau und Servicetechniker stehen hoch im Kurs. Neue Arbeitsplätze werden dabei vor allem in den Küstenregionen geschaffen, die eine räumliche Nähe zu den geplanten Offshore-Projekten aufweisen.

Bei Zulieferern im Binnenland entsteht zudem eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze, wie eine aktuelle Studie der Windenergie-Agentur (WAB) und der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) zeigt. Laut Studie kann die Zahl der direkt und indirekt Beschäftigten bis zum Jahr 2021 auf insgesamt 33.000 Beschäftigte kann (Stand: März 2012). Davon werden voraussichtlich 28.000 Beschäftigte in kleineren und mittelgroßen Betrieben tätig sein. Die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE rechnet in einer etwas älteren Prognose aus dem Jahr 2009 mit etwa 20.000 bis 30.000 neuen direkten Offshore-Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2030.