Werften & Schiffbau

Schifffahrt auf der Elbe, dahinter Offshore-Windenergieanlagen
© BMWi/Holger Vonderlind
Werften

Werften sind in den Küstenregionen seit jeher ein Rückgrat für die wirtschaftliche Entwicklung. Der Ausbau der Offshore-Windenergie bietet neben den klassischen Tätigkeitsfeldern die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder und Absatzmärkte zu erschließen. Angesichts des stark steigenden Bedarfs an Schiffen für Errichtung und Betrieb von Offshore-Windparks ergeben sich große wirtschaftliche Potentiale für die deutschen Schiffbauer.

Funktion von Werften für die Offshore-Windindustrie

Im Einzelnen übernehmen Werften für die Offshore-Windenergie folgende Tätigkeitsfelder:

  • Bau von ausrüstungsintensiven Spezialschiffen für besondere Aufgaben bei Errichtung und Wartung von Offshore-Windparks

  • Nachrüstung von Schiffen älterer Bauart, um den Ansprüchen in der Offshore-Industrie zu genügen

  • Instandsetzungs-, Reparatur- und regelmäßige Wartungsarbeiten an den Schiffen der aktiven Offshore-Flotte

  • Bau von Plattformen, die im Rahmen der Netzanbindung (Umspannplattform, Transformator- oder Konverterplattform) oder auch als Wohn- und Serviceanlage benötigt werden

  • Bau von Fundamenten für Offshore-Windenergieanlagen

Offshore-Windenergie - hoher Bedarf für Spezialschiffe

Um die Ausbauziele der Bundesregierung zu erfüllen, müssten bis 2030 rd. 3.000 Offshore-Windenergieanlagen (OffWEA) installiert werden. Heute stehen weltweit aber erst ein knappes Dutzend spezielle Errichterschiffe bzw. Errichterplattformen für Offshore-Windparks (OWP) zur Verfügung. Weitere 15 Schiffe befinden sich nach Analysen der Beratungsgesellschaft KPMG in Bau (Stand: 2011). Die Beratungsgesellschaft KPMG und die Europäische Windenergievereinigung EWEA gehen davon aus, dass mit dem derzeit verfügbaren bzw. in Bau befindlichen Angebot von rund 30 Errichterschiffen der erwartete Bedarf bis 2015/16 abgedeckt werden kann. Danach werden allerdings wieder Engpässe befürchtet.

Der Bedarf an Errichterschiffen und Plattformen sowie an Kabellegeschiffen wird angesichts der europäischen bzw. internationalen Ausbauszenarien zur Offshore-Windenergie in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter zunehmen. Die Abschätzungen  von KPMG gehen von 37 Errichterschiffen aus, die allein für die Realisierung der europäischen OWP ab 2020 benötigt werden. Bei Kabellegeschiffen wird für die nächsten Jahre von einem zusätzlichen Potenzial von 15 Schiffen ausgegangen. Bei kleineren Schiffen, die in der Erkundungs- und Errichtungsphase zum Einsatz kommen, ist der Bedarf dagegen schwer abzuschätzen. Viele der dafür eingesetzten Schiffe weisen keine direkten Einrichtungen zur Spezialisierung auf bzw. werden nicht speziell nur für den Einsatz im Rahmen der Errichtung von OWP konstruiert. Andere Prognosen gehen davon aus, dass der Bedarf an Offshore-Spezialschiffen bis zum Jahr 2025 kontinuierlich ansteigen wird.

Wirtschaftliche Lage und Potenzial der deutschen Werften im Offshore-Bereich

Die deutschen Werften befinden sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise und mit Blick auf die zunehmende Konkurrenz aus Asien weiterhin in einer Phase des Umbruchs (Stand: September 2013). Insbesondere die verhaltene Neubaunachfrage macht der Branche einer Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) zufolge zu schaffen. Bis 2009 war die Geschäftstätigkeit der deutschen Werften vor allem vom Containerschiffsbau geprägt. Die Offshore-Windenergie rückt seitdem als Option für Geschäftstätigkeiten verstärkt in den Fokus der Werften, der Bau von Handelsschiffen in Serie findet nach Branchenangaben nicht mehr statt. Das Potenzial der deutschen Schiffsbauindustrie liegt dabei im Know-how für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Spezialschiffe und Plattformen zum Einsatz im Offshore-Bereich. Offshore-Spezialschiffe sowie Offshore-Strukturen für die Offshore-Windindustrie und die Öl- und Gasförderung machten nach Angaben des BMWi Stand September 2013 rd. 9 Prozent aller Neubauaufträge aus.

 Der Auftragsbestand deutscher Werften im Jahr 2013 betrug bis zum 3. Quartal rund 7,9 Mrd. Euro. Die Umsätze der Werften lagen bei rd. 3,3 Mrd. Euro, bei einem Exportanteil von 99 Prozent. Nach Angaben des BMWi verfügen die deutschen Werften über sieben Aufträge zum Bau von Plattformen für die Offshore-Windindustrie in einem Umfang 743 Mio. Euro (Stand Ende September 2013).

 Die Prognose von KPMG beziffert das Umsatzpotential der deutschen Werften für klassische Werfttätigkeiten (Schiffbau, Umbau und Wartung) im Sektor Offshore-Windenergie bis 2020 auf bis zu 6,5 Mrd. Euro. Dabei würden 1,4 Mrd. Euro auf den Bau von Errichterschiffen entfallen und rund 0,8 Mrd. Euro auf den Bau von Kabellegeschiffen, die übrigen 4,3 Mrd. Euro ergeben sich durch die Fertigung sonstiger Schiffe, Komponenten sowie Reparaturen. Zusätzliches Umsatzpotential in einer Größenordnung von rund 11,5 Mrd. Euro wird im Bereich von Offshore-Strukturen (Jack-up und Plattformen) gesehen.

Generell lässt sich festhalten: Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung, die dem raschen Ausbau der Offshore-Windenergie national und international zukommt, wird auch der Bedarf an Offshore-Spezialschiffen sowie Offshore-Strukturen (Fundamente und Plattformen) weiter stark zunehmen. Damit ergibt sich für die deutschen Werften quasi vor der eigenen Haustür ein zukunftsorientiertes Marktsegment, das mit großen Wertschöpfungspotenzialen verbunden ist.