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StartseiteStand: März 2006
Energieversorgung - umweltfreundlich zu stabilen Preisen
Warum sind die Strom- und Energiepreise so hoch? Steigende Strom- und Heizenergiepreise sowie der Konflikt um Erdgaslieferungen aus Russland haben eine neue Debatte über Energiepreise und Energieversorgung ausgelöst. Wie kann die Strom-, Gas- und Ölrechnung gesenkt werden? Sinkt der Strompreis durch längere Laufzeiten von Atomkraftwerken? Welchen Anteil haben die erneuerbaren Energien an den Energiepreisen? Das Bundesumweltministerium antwortet auf häufig gestellte Fragen.
Warum werden Strom und Gas immer teurer?
Kann die Stromrechnung spürbar gesenkt werden?
Könnte auch die Industrie viel sparen?
Heizkosten deutlich senken: Ist das möglich?
Können die Energiekosten stabilisiert werden?
Heizung und Verkehr: Was bringen Erneuerbare?
Sinken die Strompreise, wenn Atomkraftwerke später als geplant stillgelegt werden?
Ist die Versorgung mit Strom trotz des Ausstiegs aus der Atomenergie gesichert?
Sind etwa die erneuerbaren Energien an den hohen Strompreisen schuld?
Und zukünftig? Treiben die erneuerbaren Energien die Strompreise massiv in die Höhe?
Wird Strom aus den Erneuerbaren subventioniert?
Verteuert der Emissionshandel die Stromerzeugung?
Warum werden Strom und Gas immer teurer?
Weil es immer noch zu wenig Wettbewerb am Energiemarkt gibt. Das liegt vor allem an den Gebühren für die Nutzung der Strom- und Erdgasnetze. Wenige Konzerne kontrollieren den Markt und können deshalb ihre hohen Netzgebühren durchsetzen. Wer also Gas und Strom günstiger anbieten will, kann bei dieser Marktstruktur nur schwer Fuß fassen. Die Bundesregierung hat deshalb im letzten Jahr die Bundesnetzagentur eingesetzt, die möglichst rasch für Abhilfe sorgen soll.
Beim Strom betreiben in Deutschland die vier mächtigsten Konzerne die Netze - bei seit Jahren wachsenden Gewinnen. Die Netzgebühren machen hier rund ein Drittel des Strompreises für private Haushalte aus und liegen im Schnitt um 70 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Die steigenden Weltmarktpreise von fossilen Rohstoffen wie Öl und Gas sind nicht ursächlich für die Strompreissteigerungen der letzten Jahre, da für die Stromherstellung derzeit neben Uran vor allem Steinkohle und heimische Braunkohle verwendet wird, allerdings kaum Öl oder Gas.
Kann die Stromrechnung spürbar gesenkt werden?
Ja! Einerseits kann der Stromanbieter gewechselt werden (Vergleichsrechner unter:
www.klima-sucht-schutz.de/oekostromrechner0.0.html). Zum anderen lässt sich viel Strom einsparen - ohne Verlust an Lebensqualität. Mindestens 80 Euro mehr hätte im Durchschnitt ein bundesdeutscher Drei-Personen-Haushalt im Jahr 2004 auf dem Konto haben können, wären alle Leerlaufverluste vermieden worden. Die Leerlaufverluste belasteten die Privathaushalte 2004 insgesamt mit 3,3 Milliarden Euro und verursachten einen Stromverbrauch von 18 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht etwa dem jährlichen Verbrauch der Großstadt Berlin oder der Strommenge, die zwei Großkraftwerke pro Jahr produzieren.
Deshalb sollten elektrische Geräte wie Fernseher und Computer vollständig ausgeschaltet werden, wenn sie nicht gebraucht werden - zum Beispiel mit schaltbaren Steckdosenleisten. Auch Glühlampen können leicht ausgetauscht werden: Energiesparlampen verbrauchen fünfmal weniger Energie als herkömmliche Glühlampen. Und Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen beanspruchen rund ein Drittel des privaten Stromverbrauchs, sind zudem 10 bis 15 Jahre im Einsatz. Ein vermeintlich billiges Gerät mit hohem Energieverbrauch kann also schnell mehr kosten als ein teureres mit geringem Verbrauch. In vielen Fällen lohnt es sich, das alte Gerät gegen ein neues, effizientes Gerät auszutauschen.
Könnte auch die Industrie viel sparen?
Ja! In der industriellen Produktion kann wesentlich effizienter mit Energie umgegangen werden. 50 bis 60 Prozent des Stroms werden hier durch Elektromotoren verbraucht. Wären nur 40 Prozent dieser Antriebe mit elektronischer Drehzahlregelung ausgestattet, könnten 1,2 Milliarden Euro an Energiekosten und damit ungefähr die Strommenge eines Atomkraftwerks eingespart werden. Insgesamt ließen sich 30 bis 40 Prozent des Energieverbrauchs der Industrie mit heute verfügbarer Technik einsparen - bei den derzeitigen Energie- und Strompreisen zu wirtschaftlich vernünftigen Bedingungen.
Heizkosten deutlich senken: Ist das möglich?
Ja! Bei der Heizenergie könnte der gesamte Bedarf an Heizenergie in Deutschland mehr als halbiert werden - allein durch besser gedämmte Altbauten und innovative Konzepte für Neubauten. Hierzu wird das von der Bundesregierung beschlossene Gebäudesanierungsprogramm mit jährlich 1,4 Milliarden Euro Fördervolumen wesentliche Anreize liefern. Darüber hinaus lässt sich durch richtiges Heizen und Lüften bares Geld sparen: Eine um nur ein Grad gesenkte Raumtemperatur reduziert den Energieverbrauch um etwa 6 Prozent. Alle Fenster kurz zu öffnen (Stoßlüftung) ist deutlich wirksamer als die dauerhafte Kippstellung.
Können die Energiekosten stabilisiert werden?
Ja. Durch mehr Wettbewerb am Energiemarkt, vor allem aber auch durch mehr Energieeffizienz und -einsparung, erneuerbare Energien und hocheffiziente Gas- und Kohlekraftwerke. Das sichert zudem die Energieversorgung und mindert die Abhängigkeit von Importen der weltweit immer knapperen fossilen Rohstoffe. Denn mittel- bis langfristig kann uns nur eine grundsätzlich umstrukturierte Energieversorgung weniger abhängig von steigenden Weltmarktpreisen für Öl, Gas und Uran machen - und damit fit für den globalen Wettbewerb.
Allein mit dem Einsatz von erneuerbarer Energie konnte in Deutschland im Jahr 2005 - laut dem Bundesverband Erneuerbare Energie - Erdgas im Wert von 1,2 Milliarden Euro eingespart werden. Beim importierten Erdgas sind neben deutlich effizienterer und sparsamerer Nutzung sowie dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien im Bereich der Heizenergie aber auch sichere Verträge, die Ausweitung der Märkte und eine größere Streuung bei den Lieferanten von Energierohstoffen nötig (Diversifizierung).
Heizung und Verkehr: Was bringen Erneuerbare?
Viel! Die erneuerbaren Energien haben eine große Bedeutung, um weniger abhängig von Gas und Öl zu werden. Deshalb müssen sie künftig vermehrt auch bei der Wärme- und Heizenergie sowie - mittelfristig - bei Kraftstoffen für Transport und Verkehr eingesetzt werden. So soll zum Beispiel durch eine Zumischungsregelung der Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffverbrauch in Deutschland bis 2010 auf 5,75 Prozent gesteigert werden. Das ist mehr als dreimal so viel wie 2004.
Für den Bereich der Wärmebereitstellung wird das bereits bewährte Marktanreizprogramm (MAP) für erneuerbare Energien auf hohem Niveau fortgeführt. Zudem arbeitet das Bundesumweltministerium an einem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zur Förderung regenerativ erzeugter Wärme. Damit kann der Beitrag erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung - 2005 waren das 5,4 Prozent - bis 2020 mehr als verdoppelt werden.
Sinken die Strompreise, wenn Atomkraftwerke später als geplant stillgelegt werden?
Nein! Selbst die Energieunternehmen haben dem bereits widersprochen: Höhere Gewinne durch abgeschriebene und subventionierte Atomkraftwerke sollen nicht an die Stromkundinnen und -kunden weitergegeben werden. Im Gegenteil: Es kämen langfristig sogar höhere Strom- und Energiepreise auf alle zu.
Längere Laufzeiten verhindern die notwendigen Investitionen in moderne innovative Kraftwerke, die Energie effizienter und preiswerter nutzen. Der alte Kraftwerksbestand mit seiner unflexiblen, zentralistischen Struktur würde konserviert, eine grundsätzlich veränderte Energieversorgung abgewehrt, und Zehntausende Arbeitsplätze würden aufs Spiel gesetzt. Die Folge: Bei weltweit erhöhtem Bedarf und zunehmender Verknappung der Energierohstoffe kletterten die Preise langfristig deutlich nach oben, wäre Deutschland dann nicht weniger abhängig von fossilen Brennstoffen. Die Zukunft gehört also Energieanlagen, die das Kundenbedürfnis ins Zentrum stellen, nicht das Anbieterinteresse an hohem Energieabsatz.
Ist die Versorgung mit Strom trotz des Ausstiegs aus der Atomenergie gesichert?
Ja. Energie wird effizienter und sparsamer genutzt, erneuerbare Energien werden ausgebaut, den Rest besorgen hoch-effiziente und zukünftig auch kohlendioxidfreie Gas- und Kohlekraftwerke. Wenn der letzte Atomreaktor um 2020 vom Netz geht, werden nach einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums pro Jahr gut 150 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Das sind deutlich mehr als die 140 Terawattstunden pro Jahr, die deutsche Atomkraftwerke heute produzieren.
Zudem führt Deutschland schon heute mehr Strom aus als ein. In den Sommermonaten der Jahre 2003 und 2005 zum Beispiel wurde Strom nach Frankreich geliefert, weil die Atomreaktoren dort wegen der Hitzewelle teilweise heruntergefahren werden mussten. Das ist möglich, weil wir nicht wie andere einseitig von einem Energieträger abhängig sind.
Sind etwa die erneuerbaren Energien an den hohen Strompreisen schuld?
Nein! Der Löwenanteil der höheren Strompreise wird durch die Kosten für Stromerzeugung und Stromtransport inklusive Netznutzung verursacht. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trägt derzeit lediglich zu etwa 3 Prozent zum Preis für Haushaltsstrom bei. Für einen dreiköpfigen Haushalt sind das zurzeit etwa 1,60 Euro pro Monat - angesichts der Herausforderungen des Klimawandels und einer sicheren und umweltgerechten Energieversorgung ein moderater Betrag.
Und zukünftig? Treiben die erneuerbaren Energien die Strompreise massiv in die Höhe?
Auf keinen Fall! Aktuelle Studien im Auftrag des Bundesumweltministeriums zeigen: Der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien im Strombereich ist zu vertretbaren Kosten möglich. Der Anteil an den monatlichen Stromkosten eines Drei-Personen-Haushalts steigt allenfalls noch bis 2015 auf höchstens 2,80 Euro pro Monat an und sinkt danach dauerhaft. Denn während die konventionelle Stromerzeugung zunehmend teurer wird, sinken die Vergütungen von eingespeistem Strom aus erneuerbaren Energien alljährlich. Zudem wurden die erneuerbaren Energien in den letzten 10 Jahren zum Teil bereits um 50 Prozent günstiger. Bis zum Jahr 2020 können sie allein im Strombereich Investitionen von mindestens 75 Milliarden Euro auslösen - mit entsprechenden Impulsen für Wachstum und Beschäftigung. 300.000 Menschen werden dann in der Branche arbeiten - etwa doppelt so viele wie 2004.
Wird Strom aus den Erneuerbaren subventioniert?
Nein. Es handelt sich bei der Förderung der erneuerbaren Energien nicht um steuerliche Subventionen, sondern um eine Umlagefinanzierung, die den Staatshaushalt und damit die Steuerzahler nicht belastet. Wer Strom aus Wind, Wasser, Biomasse, Sonne und Erdwärme erzeugt, erhält vom Netzbetreiber für jede eingespeiste Kilowattstunde - zeitlich befristet - einen Festpreis, der zurzeit über dem Börsen-Marktpreis für eine Kilowattstunde liegt. Die Differenz zwischen dem Festpreis und dem Marktpreis wird auf den Strompreis für alle Kunden umgelegt. Für besonders stromintensive Betriebe gibt es Sonderregelungen, um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Auch die Arbeitsplätze in der Solar- und Windbranche werden nicht staatlich subventioniert.
Verteuert der Emissionshandel die Stromerzeugung?
Nein! Die Energiekonzerne haben die Emissionsberechtigungen kostenlos erhalten. Seit Anfang 2005 müssen Kraftwerke - je nachdem, wie viel des Treibhausgases Kohlendioxid sie in die Luft blasen - eine entsprechende Menge an Emissionszertifikaten abgeben. Trotz der kostenlosen Zuteilung haben die Energiekonzerne den aktuellen Marktwert der Zertifikate in ihre Preiskalkulation eingerechnet und damit eine Anhebung der Strompreise begründet. Dadurch erzielen die Energieversorgungsunternehmen derzeit Zusatzgewinne von bis zu 5 Milliarden Euro. Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren eingeleitet, um diese Kalkulationen zu überprüfen. Für die zweite Handelsperiode von 2008 bis 2012 wird die Bundesregierung zudem Maßnahmen festlegen, um derartige Mitnahmeeffekte der Stromwirtschaft zu Lasten von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu vermindern.
Fazit
Energie wird nicht etwa teurer, weil es mehr Strom aus Wind, Wasser, Biomasse oder Sonne gibt oder weil das Klima geschützt wird, sondern vor allem durch die immer noch schlechten Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt. Eine zukunftssichere Energiepolitik mit stabilen Preisen und solider Versorgung muss die grundsätzlichen Strukturen der Energieversorgung ändern. Das heißt: mehr erneuerbare Energien, vor allem auch mehr Energieeffizienz und Energieeinsparung. So wird gleichzeitig auch für Innovation und Beschäftigung gesorgt. Der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie ist ein wichtiger Motor für diese Modernisierung unserer Volkswirtschaft.
Links
-
Ergebnisse des Energiegipfels vom 3. April 2006
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Statusbericht
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Energiespartipps
-
Stromversorgung in Deutschland ist sicher
-
Themenliste: Ausstieg aus der Atomenergie
Impressum
Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU),
Referat Öffentlichkeitsarbeit,
Alexanderstraße 3, 10178 Berlin
Internet:
www.bmu.de,
www.erneuerbare-energien.de
Text und Redaktion: Jürgen Schulz
Stand: März 2006
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