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Editorial aus der
Zeitschrift "Umwelt", Ausgabe April 2010.
Auf dem Weg in das regenerative Zeitalter
Editorial von Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen
Auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien haben wir eine wichtige Etappe erreicht. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Bedarf an Wärme, Strom und Kraftstoffen betrug im Jahr 2009 in Deutschland zum ersten Mal mehr als 10 Prozent. Der Anteil am Stromverbrauch ist auf über 16 Prozent angestiegen. Das sind Zahlen, die noch vor wenigen Jahren in weiter Ferne schienen. Aber das ist keineswegs ein Grund, auszuruhen.
Das Energiekonzept, das die Bundesregierung im Herbst vorlegen wird, wird eine Perspektive bis zum Jahr 2050 aufzeigen. Der Weg in das regenerative Zeitalter ist also kein Sprint, sondern vielmehr ein Langstreckenlauf, der in allen Etappen gut eingeteilt sein muss, damit wir am Ende zum entscheidenden Ziel kommen. Wo stehen wir heute bei diesem Lauf, welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen und wohin soll die Reise gehen?
Die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt: Im Jahr 2009, in dem das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um fünf Prozent geschrumpft ist, haben sich die erneuerbaren Energien als Fels in der Brandung der Wirtschaftskrise behauptet. Die Investitionen in erneuerbare Energien sind um 20 Prozent gestiegen. Der Kapazitätsausbau hat inzwischen 45 Gigawatt erreicht - das macht heute schon rund ein Drittel der Gesamtkapazität in der Energieversorgung aus!
Diese Größenordnung ist die entscheidende Grundlage für Investitionen, technischen Fortschritt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Mehr als 300.000 Menschen, fast doppelt so viel wie 2004, haben heute in der Erneuerbaren-Energien-Branche einen vergleichsweise krisenfesten Job gefunden. Das ist ein wichtiger Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung, gerade in schwierigen Zeiten. Und mehr als das: Erneuerbare Energien dämpfen den Ölpreis und sie reduzieren die Umweltschäden, die durch fossile Energiequellen entstehen: 110 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen werden durch die Erneuerbaren vermieden.
Der Ausbau der Erneuerbaren ist aber nicht kostenlos zu haben. Für einen durchschnittlichen Haushalt sind es inzwischen um die sechs Euro pro Monat, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entstehen. Ich halte das für verkraftbar und für eine gute Zukunftsinvestition. Aber in der Perspektive muss es zu einer Senkung dieser Kosten kommen. Deshalb müssen wir die Entwicklung kontinuierlich beobachten und Kostensenkungspotenziale konsequent im Sinne der Stromverbraucher nutzen.
Aktuelles Beispiel ist die Photovoltaik. Durch den gestiegenen Wettbewerb sind hier die Marktpreise im vergangenen Jahr drastisch gesunken. Wenn die im EEG festgelegte Vergütung darauf nicht reagiert, würde das Gesetz seinen Charakter als Markteinführungshilfe verlieren und zu einem Instrument für die Subventionierung überzogener Renditen mutieren. Die Absenkung der Vergütung für die Photovoltaik ist daher unverzichtbar. Sie ist aber keine pauschale Kürzung, sondern ein flexibler Ansatz, um auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Vorgesehen ist daher auch eine Ausweitung der Förderung für den Eigenverbrauch: Wer seinen PV-Strom selber verbraucht, soll künftig spürbar besser gefördert werden, denn er leistet damit einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Dezentralität der Stromversorgung.
Unsere Ziele für eine zukunftsfähige Energieversorgung sind klar: Wir wollen bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren. Das bedeutet die weitestgehende Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Energien. Bei der Stromversorgung wird dabei die Offshore-Windenergie eine entscheidende Rolle spielen. Deren Ausbau nimmt jetzt Fahrt auf: Nachdem mit dem Testfeld „Alpha Ventus“ vor Borkum der Einstieg geschafft wurde, folgt jetzt mit „Bard 1“ und „Baltic 1“ der Bau von zwei weiteren Windparks in Nord- und Ostsee. Wer erneuerbare Energien will, muss aber auch den Ausbau der Stromnetze unterstützen und vorantreiben. Wir brauchen innovative Netze, im nationalen Rahmen ebenso wie im europäischen und internationalen Verbund, damit erneuerbarer Strom aus Nord- und Ostsee an Land und später zum Beispiel auch aus Nordafrika nach Europa transportiert werden kann.
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass in den nächsten 20 Jahren weltweit fast 5.000 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert werden. Die deutschen Unternehmen sind dank günstiger nationaler Rahmenbedingungen sehr gut aufgestellt, um ihre führende Stellung auf den Weltmärkten zu behaupten und daran mitzuwirken, dass wir auf dem Weg in das regenerative Zeitalter auch global vorankommen.
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