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renewables2004 - Rückenwind für die Energien der Zukunft
Die internationale Konferenz renewables2004 in Bonn soll den erneuerbaren Energien weltweit zum Durchbruch verhelfen.

Die globale Energiepolitik steht an einem entscheidenden Wendepunkt: Die erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme sind bereit, den fossilen und nuklearen Brennstoffen ihren Rang abzulaufen. Um diesem Prozess auch weltweit mehr Dynamik zu verleihen, hat die Bundesrepublik Deutschland zur Konferenz renewables2004 vom 1. bis 4. Juni 2004 nach Bonn eingeladen. Vertreter von Staaten, internationalen Organisationen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen werden dort beraten, wie der Anteil moderner erneuerbarer Energien in Entwicklungs- und Industrieländern deutlich erhöht und damit ein entscheidender Beitrag zu einer weltweiten Energieversorgung geleistet werden kann, die den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen der Zukunft entspricht. Die Konferenz soll greifbare Ergebnisse bringen. Denn nur mit einem konkreten Fahrplan zur Nutzung der unerschöpflichen und umweltverträglichen Energiereserven wird es gelingen, weltweit die Armut wirkungsvoll zu bekämpfen, die Folgen des globalen Klimawandels zu mindern und eine sichere Basis für Investitionen und Forschung im Energiesektor zu garantieren.


Die Fischer von Baleia
Ein Beispiel für eine dezentrale Nutzung erneuerbarer Energien

Die Fischer von Baleia im nordbrasilianischen Bundesstaat Ceara hatten lange ein Problem: In der schwülen Hitze verdarben ihre Fische so schnell, dass sie fast jeden Preis der Fisch-Aufkäufer akzeptieren mussten, wenn sie nicht auf einem faulenden Fang sitzen bleiben wollten. Seit einem Jahr ist das anders. Nun besitzen die Fischer eine kleine Solaranlage, die jeden Tag 300 Kilo Eis produziert. Das Eis sorgt direkt vom Fang bis zu den Kühltruhen der Zwischenhändler für frischen Fisch - und garantiert den etwa 100 Fischern Einnahmen, die um die Hälfte gestiegen sind. Baleia ist ein Pilotprojekt der "Deutschen Entwicklungsgesellschaft", der "Gesellschaft für technische Zusammenarbeit" und des schwäbischen Unternehmens Würth Solar. Das Vorzeigeprojekt soll Schule machen, denn vergleichbare Anlagen könnten die Menschen an der 8.000 Kilometer langen Küste Brasiliens mit Strom versorgen und ihre Lebensumstände verbessern helfen.

Baleia ist eines von vielen Beispielen. Sie zeigen: Erneuerbare Energien sind kein Luxus, sondern ein preiswerter und kostengünstiger Energielieferant, häufig sogar der preiswerteste. In vielen Gegenden der Welt sichern sie die Lebensgrundlage der Menschen und helfen bei der Bekämpfung der Armut. Erneuerbare Energien entlasten die Umwelt und tragen dazu bei, die schlimmsten Folgen des Klimawandels gerade bei den ärmsten und am meisten betroffenen Menschen zu lindern. Und erneuerbare Energien sind bereits jetzt ein wichtiger Wirtschaftszweig in den Industrieländern, wo sie technologische Innovationen fördern, Exportchancen für die Zukunft sichern und Zehntausende von qualifizierten Arbeitsplätzen schaffen.


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Aufbruch heute für die Energie von morgen
Die Konferenz renewables 2004 - Hintergründe und Ziele

Große Umwälzungen brauchen mindestens zwei Dinge: Die technischen Möglichkeiten und den Willen, diese Technik anzuwenden. In Deutschland hat die Energiewende mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem Aufschwung der erneuerbaren Energien bereits begonnen. Die Technologie regenerativer Energien ist auf vielen Feldern inzwischen zur Marktreife entwickelt worden. Was bislang fehlt, ist eine weltweite Aufbruchstimmung für ein neues Zeitalter von sauberer und unerschöpflicher Energie. Die Konferenz renewables2004 soll diesen Impuls setzen. Von Bonn 2004 soll die Botschaft ausgehen: Eine andere Energieversorgung ist möglich, die sicherer, sauberer und für das Klima verträglicher ist als das System von heute.

Um die Dynamik dieser globalen Entwicklung zu verstärken werden auf der Konferenz renewables2004 über 1.000 Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Vereinigungen, Unternehmen, Industrieverbänden, und Nichtregierungsorganisationen darüber beraten, wie strategische Partnerschaften zur Förderung der erneuerbaren Energien aussehen sollten. Was können Politik, Wirtschaft und Vertreter der Zivilgesellschaft tun, um den notwendigen globalen Übergang vom fossilen Zeitalter in eine Zukunft der nachhaltigen Energieversorgung zu beschleunigen?

Die Einladung zu der Konferenz hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im September 2002 ausgesprochen und damit Bewegung in die festgefahrene Debatte um die erneuerbaren Energien gebracht. In Johannesburg hatten die USA, Kanada, Japan und Australien zusammen mit den Ölstaaten verhindert, dass sich die internationale Staatengemeinschaft dazu verpflichtete, den Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Energiemix bis 2010 auf 15 Prozent zu steigern. Während des Gipfels hatte sich daraufhin eine sog. "Koalition der Willigen" (JREC-Johannesburg Renewable Energy Coalition) zusammengefunden, um dieses Ziel voranzutreiben. In ihr sind inzwischen 83 Länder zusammengeschlossen: Neben den 15 "alten" EU-Mitgliedsstaaten und allen osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten auch wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien und Südafrika. (Link zur vollständigen Liste: http://forum.europa.eu.int/Public/irc/env/ctf/library). Das Ziel der Bundesregierung ist es, diese Koalition zu verbreitern und zu vertiefen, indem die Teilnehmer ihre jeweiligen nationalen Ziele bekannt geben.


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Erneuerbare Energien bekämpfen die Armut und entlasten die Umwelt

Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft: Nur mit ihnen wird eine effektive Bekämpfung der Armut vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern gelingen. Dort leben immer noch etwa zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu Strom. Für sie bedeutet das: Kein Fernsehen, kein Telefon, kein Internet, keine Glühbirnen, keine Kühlschränke für Medikamente. Dezentrale regenerative Energieformen wie Solaranlagen oder Windräder können die (Über-)Lebenschancen dieser Menschen nachhaltig verbessern, auch ohne teure Investitionen in ein landesweites Stromnetz. Wenn sie ihre Energie aus Sonnenstrahlung und Windkraft speisen können, brauchen sie keine Batterien oder kein Petroleum mehr und müssen - in einigen Ländern - nicht mehr Holz suchen, das nicht ausreichend nachwächst. Die Mitgliedsstaaten der UNO haben im Jahr 2000 in ihren "Milleniums-Zielen" unter anderem beschlossen, bis zum Jahr 2015 gemeinsam die Zahl der Menschen zu halbieren, die in bitterster Armut leben. Die Förderung erneuerbarer Energien ist ein wichtiger Weg, um dieses Ziel zu erreichen.

Nur mit deutlich verbesserter Effizienz bei der Nutzung von Energie und mit einem kräftigen Ausbau der erneuerbaren Energien wird es mittelfristig gelingen, die globale Bedrohung Nummer eins, den Klimawandel, abzumildern. Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle ist der Hauptverursacher des Treibhauseffektes, der die Atmosphäre zunehmend erwärmt. Um den globalen Temperaturanstieg bei unter zwei Grad Celsius zu halten (was immer noch zu starken Veränderungen führen wird) ist es notwendig, die globalen CO2-Emissionen bis 2050 weltweit um 30 Prozent zu reduzieren. Für die Industriestaaten bedeutet das eine Reduktion um 80 Prozent. Doch der Energiehunger der Industriestaaten, aber auch der Schwellenländer wie Indien, Brasilien oder China, wächst ungebremst. Daher müssen im großen Stil saubere Techniken zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Das Potenzial dafür ist gewaltig: Die Energie aus Sonnenkraft, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme ist so reichlich vorhanden, dass niemand im Dunkeln leben oder frieren oder schwitzen muss. Auch die Technik ist in vielen Bereichen bereits ausgereift. Jetzt, bei der Konferenz renewables2004 in Bonn, geht es darum, diesen Techniken politisch zum Durchbruch zu verhelfen.


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Ein Fahrplan für die Energiewende
Konkrete Ziele der Konferenz

Die Diskussionen auf der Konferenz werden sich deshalb vor allem um folgende Fragen drehen: Welche politischen Strategien führen zur besten Unterstützung der erneuerbaren Energien? Wie können Hindernisse aus dem Weg geräumt werden? Wie können die Märkte für Erneuerbare in den Industrie- und Entwicklungsländern geschaffen und verbessert werden?

Die Bundesregierung erwartet von der Bonner Konferenz konkrete Ergebnisse:

  • Einzelne Staaten oder Ländergruppen sollen sich zu konkreten nationalen oder regionalen Ausbauzielen mit mittelfristigen Zeithorizonten verpflichten und diese bekannt geben, so wie es auch die Absicht der "Johannesburg Renewable Energy Coalition" ist. Die EU etwa hat sich festgelegt, ihren Anteil an erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2010 auf 21 Prozent auszubauen. Lateinamerika und die Karibik wollen bis 2010 insgesamt zehn Prozent ihres gesamten Energieverbrauchs regenerativ erzeugen. Deutschland peilt nach der gerade verabschiedeten Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes 20 Prozent seiner Stromversorgung aus Erneuerbaren bis 2020 an, bis 2050 sogar 50 Prozent.
  • Regierungen, internationale Organisationen und Unternehmen sollen sich zu konkreten Projekten verpflichten, mit denen Energie effizienter genutzt wird als bisher und bei denen erneuerbare Energien gefördert werden. Angestrebt wird außerdem ein internationaler Aktionsplan mit einer gemeinsamen politischen Verpflichtung zum Ausbau erneuerbarer Energien, wissenschaftlicher Überprüfung und regelmäßiger Erfolgskontrolle.
  • Die Teilnehmer sollen "good-policy"-Leitlinien für eine "gute Politik" in Sachen erneuerbare Energien formulieren. Darin sollen neue Ideen enthalten sein, wie unter den jeweiligen Bedingungen Energieprojekte zu finanzieren sind oder wie sie mit den Anforderungen des Kioto-Protokolls zusammenpassen. (link zu CDM- und JI-Regeln auf BMU-Seite)
  • Die Konferenz soll einen Prozess anstoßen, in dem sich die Befürworter der erneuerbaren Energien weltweit vernetzen, gegenseitig unterstützen und über Projekte, Ziele, Maßnahmen und Verpflichtungen austauschen. Vorstellbar ist etwa eine Serie von Folgekonferenzen und die Koordinierung der bestehenden Netzwerke soll verstärkt werden.

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Die Rolle Deutschlands - Vorreiter und Partner

Es ist kein Zufall, dass die Bundesrepublik Deutschland zu dieser Konferenz eingeladen hat. In unserem Land sind erneuerbare Energien ein zukunftsträchtiger Motor der Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungspolitik. Die Bundesregierung hat eine Reihe von Rahmenbedingungen und Instrumenten geschaffen, die die Entwicklung der erneuerbaren Energien unterstützen und ihnen auf dem Sprung zu wirtschaftlichen und ausgereiften Technologien zur Seite stehen. Dazu gehören insbesondere das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die Biomasse-Verordnung, das 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm, das Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien, günstige Darlehen und steuerliche Förderung und die Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Demonstration. Dies schafft auch Arbeitsplätze: Rund 130.000 Arbeitsplätze sind heute in Deutschland direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen Energien zurückzuführen. Deutsche Unternehmen haben sich mit Spitzentechnologie an der Weltspitze etabliert und sich etwa in der Windbranche einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen aus anderen Staaten gesichert.

Die Konferenz renewables2004 wird zeigen, dass die weitere Verbreitung der erneuerbaren Energien für alle Beteiligten eine "win-win"-Strategie ist: Mehr Sonnenenergie, mehr Wind, Biomasse, Wasserkraft und Erdwärme, gekoppelt mit mehr Energieeffizienz werden helfen, die großen ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme der Zukunft zu bewältigen. Der Ausbau der regenerativen Energieformen ist ein zentraler Baustein für eine weltweite nachhaltige Entwicklung und damit auch ein Beitrag für eine friedlichere Welt.


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