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Quelle: Handelsblatt, Printausgabe Nr. 159 vom 19.08.2010, Seite 14


"Windparks auf See: Geeignete Häfen fehlen"

Ein Beitrag zum Diskussionspapier "Moderne Hafeninfrastruktur für einen erfolgreichen Ausbau der Offshore-Windenergie" von Katherina Reiche


Die Bundesregierung setzt große Hoffnungen in den Ausbau der Windkraft auf hoher See. In der Praxis jedoch scheitern die kühnen Pläne oft an ganz banalen Hürden. So sind die dringend benötigten Hafenkapazitäten in Deutschland sehr gering. Katherina Reiche, parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, macht sich deshalb für einen "Masterplan Offshore-Hafeninfrastruktur" stark. In dem Plan sollen sich Bund, Länder, Kommunen und Unternehmen auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen.

Bedingungen nicht ideal.

Die Windparks auf hoher See gehören zu den wichtigen Bestandteilen des Umbaus der Energieerzeugung. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen bis 2030 in Deutschland Offshore-Windparks mit einer Kapazität von 25 000 Megawatt (MW) installiert sein. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Mit "Alpha Ventus" ist erst ein Projekt fertiggestellt. Die installierte Leistung der zwölf Windräder dort beträgt 60 MW. Um das Ausbauziel bis 2030 zu erreichen, ist ab heute eine jährliche Zubaurate von bis zu 1 500 MW erforderlich. Das entspricht der Installation einer Windturbine pro Tag während der Schönwetter-Saison - ein ehrgeiziges Vorhaben.

"Die Verfügbarkeit von Häfen und einer geeigneten Hafeninfrastruktur können zu einem Bremsklotz für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie werden", schreibt Reiche in einem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt. Reiche verweist auf "Alpha Ventus": Beim Bau des Windparks musste auf einen niederländischen Hafen ausgewichen werden.

Lediglich die Niederlande verfügen über sechs geeignete Häfen, die bereits für deutsche oder englische Offshore-Projekte genutzt werden. Da auch andere Länder ehrgeizige Ausbauziele verfolgen, ist nach Überzeugung Reiches absehbar, dass "ein Ausweichen auf ausländische Häfen nur begrenzt möglich sein wird, da sie entweder zu weit entfernt oder durch andere Aktivitäten bereits stark ausgelastet sind". Die Branche teilt die Sorgen. Die Hafenkapazitäten seien "ein Faktor, der für den Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland weiter verbessert werden muss", sagt Frank Mastiaux, Chef von Eon-Climate and Renewables. Ein weiteres Problem sieht er "in der noch schleppenden Erstellung der Offshore-Netzanschlüsse".

Ohnehin sind die Bedingungen in Deutschland nicht ideal. Aus Gründen des Umweltschutzes müssen die Räder weit vom Festland entfernt in großen Wassertiefen aufgebaut werden. "Technische Lösungen befinden sich erst in der Entwicklung", sagt Mastiaux.

Artikel von Klaus Stratmann