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Quelle: Klaus Stratmann, Handelsblatt Nr. 171 vom 05.09.2011, Seite 15
Bundesregierung startet Windpark-Initiative für Osteuropa
Umweltministerium will deutschen Anlagenbauern zu Exporterfolgen verhelfen
Das Bundesumweltministerium will den Erfolg der erneuerbaren Energien nach Mittel- und Osteuropa exportieren. Es gebe in der Region erhebliche Potenziale insbesondere für Windkraftanlagen, die nicht ungenutzt bleiben dürften, sagte Umweltstaatssekretärin Katherina Reiche (CDU) dem Handelsblatt. Die Industrie begrüßt die Bemühungen.
Reiche regt die Gründung einer "Windtec-Initiative" an. "Ein solcher Zusammenschluss von Unternehmen, Verbänden und Wissenschaft könnte die entscheidenden Impulse setzen", heißt es in einem von ihr erarbeiteten Konzeptpapier. Den Schwerpunkt der Initiative sieht Reiche in der Identifizierung geeigneter Projekte und der Entwicklung von Umsetzungsstrategien zum Bau von
Windparks in Mittel- und Osteuropa. "Das Interesse deutscher Unternehmen, sich in den Ländern Mittel- und Osteuropas zu engagieren, ist groß", sagte Reiche. "Wir möchten das gerne politisch flankieren. Dabei geht es nicht um öffentliche Gelder. Vielmehr wollen wir auf politischer Ebene Hürden beseitigen."
Ausbau im Westen stößt an Grenzen.
Beim Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) stößt die Initiative auf Zustimmung: "Der VDMA steht bereit, für die Unternehmen eine koordinierende Rolle zu übernehmen", sagte der energiepolitische Sprecher Thorsten Herdan.
Die Branche begrüßt die Pläne auch deshalb, weil der Ausbau der Windkraft in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern an Grenzen zu stoßen droht. "Mittelfristig könnte es schwierig werden, geeignete Flächen zu finden und Akzeptanzprobleme zu überwinden", sagte Werner Diwald, Vorstand beim Windkraftbetreiber Enertrag. Daher sei es sinnvoll, wenn die Politik dabei helfe, "in den Ländern Mittel- und Osteuropas die Strukturen zu schaffen, die Investitionen erleichtern", sagte Diwald.
Vorteile gegenüber Desertec.
Zugleich sei diese Strategie gegenüber vergleichbaren Projekten im Süden oder Norden kostengünstig, da man in Mittel- und Osteuropa auf existierende Strukturen zurückgreifen könne. So gebe es eine historisch gewachsene Netzanbindung, die zwar teils erneuert und ausgebaut werden müsse, jedoch nicht bei null beginne, sagte Diwald. Darin liegt ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Wüstenstromprojekt Desertec: Für Desertec müsste eine in weiten Teilen neue Netzinfrastruktur geschaffen werden, um den Strom von Nordafrika nach Europa zu bringen. "Der Ausbau der Windkraft in Mittel- und Osteuropa ist ein lebensnahes, realistisches und vergleichsweise schnell realisierbares Projekt", sagte Reiche. Die Windtec-Initiative biete deutschen Unternehmen "neue Exportchancen und den Ländern Mittel- und Osteuropas zusätzliche Wertschöpfung". Außerdem ergebe sich durch den Ausbau der Windkraft in Mittel- und Osteuropa die Möglichkeit, den europäischen Stromverbund zu stärken. "Je größer der Verbund, um so größer sind auch die Möglichkeiten, sich von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen", sagte Reiche.
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